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Oberflächiges Grafikspektakel
Avatar: Frontiers of Pandora spielt im westlichen Grenzgebiet und ist thematisch zur selben Zeit angesiedelt, in der der zweite Film spielt. Auch wenn der Titel es anders vermuten lässt, spielt man einen "Natur Na´vi" und keinen Menschen im Na´vikörper.
Avatar sieht wunderschön aus, alle Biome sind mit viel Liebe gestaltet und machen - bis zu einem gewissen Grad - auch Spaß zu erkunden. Loretechnisch wurde sich eng an Camerons Original orientiert, wer die Filme kennt, wird sich sofort zurecht finden.
Das Spiel wurde von dem Ubisoft Studio Massive Entertainment entwickelt und dementsprechend auch gemäß der Ubisoft-Formel umgesetzt. Will heißen es gibt drölfzichtausend gleich aussehende Basen, drölfzichtausend Beschäftigungstherapien und nochmal weitere drölfzichtausend Sammelobjekte. Die Welt ist sehr hübsch, aber leer.
Soweit, so erwartet. Wer Ubisoft kauft, weiß, was drin ist. Warum ich aber trotz des Wissens um die Ubisoft Formel etwas enttäuscht von Avatar bin, hat vor allem einen Grund:
Das Spiel - vor allem die Story - ist unglaublich austauschbar. Wenn 0815 ein Game wäre, es wäre Avatar: Frontiers of Pandora.
Zu keinem Zeitpunkt wird Spannung erzeugt, alle "Offenbarungen" sind meilenweit vorhersehbar. Die Charaktere sind blaß und farblos (die beiden Antagonisten, sowie 99% "unserer" Leute) bis außerordentlich nervig (*hust *Priya *hust*). Die ein oder zwei Charaktere, die wirklich den Hauch einer interessanten Persönlichkeit haben, werden in der Erzählung komplett vernachlässigt. (Neben)Missionen beschränken sich auf "Hol und Bring" und "Geh an Punkt x und töte alles". Die Na´vi sind heilig, die Menschen alle mordlüsterne Idioten. Zu keinem Zeitpunkt wird in dieses simple "Schwarz-Weiß"-Muster auch nur einen Hauch von Kritik oder Varianz eingebracht.
Massive Entertainment hatte es mit Far Cry 3 geschafft, eine ernste, intensive Geschichte voller spannender Persönlichkeiten zu erzählen, warum also nicht hier auch?
Dazu kommen diverse Designentscheidungen, die ich einfach nur nervig finde:
Warum kann ich gefundene Sache nicht verkaufen, sondern nur ablegen?
Warum kann ich mir bspw. Clanbeiträge manchmal auf der Karte anzeigen lassen, manchmal nicht?
Warum bin ich so langsam unterwegs?
Warum sehen alle Schusswaffen gleich aus, egal, wie "wertig" sie sind?
Warum bin ich in diesem Ego-Game auf meinem Ikran aber in der Third-Person unterwegs?
Warum ist sofort das ganze Lager getriggert, wenn mich eine einzelne Person sieht, die weit weg steht?
Warum reden alle Na´vi denen man begegnet "Menschensprache", auch wenn sie sich untereinander unterhalten?
Dazu kommt natürlich noch die obligatorische Zutat "woke", die in gegenderten und "nicht-binären" Personen resultiert. Auch wenn die Na´vi Menschenmetall verabscheuen, ihre Ideologien scheinen sie ja gut übernommen zu haben...
Avatar: Frontiers of Pandora ist ein gutes Spiel. Die Grafik ist atemberaubend, das Gameplay ausreichend. Aber damit ein Spiel bei mir einen Blumentopf gewinnt, brauch es eben mehr als nur einen Grafikblender mit erträglicher Geschichte.
Wer mein Gemecker nicht nachvollziehen kann, Fan der Ubisoft-Formel und der Filme ist, dem kann ich das Spiel uneingeschränkt empfehlen.
Allen anderen rate ich zumindest auf einen Sale zu warten, da 80 Euronen doch schon ein saftiger Preis sind.