Als ich das Spiel gekauft hatte, habe ich mich riesig darauf gefreut, selbst den Black Hills Forest zu erkunden und mich nebenbei richtig schön zu gruseln, aber 1) hat das Spiel nur sehr wenig mit Blair Witch zu tun und 2) war das Gruseligste nicht das Spiel, sondern die Bugs.
Fangen wir mit der Handlung an: Das zentrale Thema der Blair Witch-Reihe ist immer die Hexe, der die Filme ihren Namen zu verdanken haben. Im Blair Witch-Spiel hingegen wurde die Blair Witch zu einer generischen Nebenfigur umfunktioniert, die ab und an zu hören ist, wenn sie Ellis in den Wahnsinn treiben will - ziemlich untypisch für ein Wesen, das niemals direkt mit seinen Opfern interagiert und eher subtilere Methoden verwendet, um mit ihnen zu spielen (gut, mit Rustin Parr hat sie auch geredet, aber ihr Markenzeichen im Film ist, dass man sie nie direkt sieht oder hört.). An die Stelle der Hexe tritt Ellis' Kriegstrauma, das anscheinend nur dazu da ist, um durch Flashbacks Schockelemente zu schaffen und Ellis eine schön düstere Hintergrundgeschichte zu geben. Spiele mit düsterem Inhalt sind nicht automatisch schlecht, siehe Hellblade oder Bloodborne, aber wenn das Düstere keinem Zweck dient, außer um die Spieler zu schocken/verstören, verliert man schnell das Interesse an den Charakteren und der Handlung.
Kurz gesagt: Die Story, die man bekommt, ist ausgelutscht und eintönig-düster.
Aber wie sieht es mit dem Gameplay aus? Tja, seit ihrem ersten Spiel scheinen die Leute vom Bloober Team leider nicht viel dazugelernt zu haben. Als Layers of Fear rauskam, war es noch neu und spannend, dass Räume sich verändern, wenn man sie erneut betritt, oder wenn man durch eine Tür geht, nur um in dem Gang zu landen, in dem man sich befand, bevor man durch diese Tür gegangen ist, aber wenn man jedes Mal auf die gleichen Mittel zurückgreift, um Angst zu erzeugen, wird selbst das beste Horrorelement schnell langweilig. Genau das ist unter anderem bei Blair Witch (und Layers of Fear 2) passiert, da helfen auch Bullet und die schicke Kameramechanik nicht viel. Besser noch: Das Spiel ist voller Bugs. Mal steckt man zwischen zwei Büschen fest und kann nicht raus, mal rennt Ellis nicht in Jagdsequenzen, obwohl man R2 gedrückt hält, und wird dementsprechend schnell von seinen Verfolgern eingeholt, mal kann man Bullet keine Befehle erteilen, weil er lieber unsichtbare Feinde am hellichten Tage anknurrt... Muss man dann seinen Spielstand neu laden, kann man sich darauf freuen, im schlimmsten Fall das aktuelle Kapitel von Anfang an neu zu spielen, denn gespeichert wird nur per Autosaves, die in langen Abständen erstellt werden. Hat man den Ablauf des Spiels bereits verinnerlicht, ist der Verlust nicht ganz so gravierend, aber wenn man zum ersten Mal spielt, sieht die Sache anders aus.
Leider muss ich für den Spielspaß eine 2 vergeben.