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Test: Mirror's Edge: Catalyst im Test für die PS4 - Warte, das ist ein Reboot?


Marloges
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Nach ganzen acht Jahren ist es endlich so weit, das beliebte Parcour-Spiel aus der Ego-Perspektive und wohl auch das erste dieser Art bekommt einen neuen Ableger. Anders als erwartet, wurde das Spiel ein Reboot und so wurden einige Plotelemente verändert und bereits bekannte Charaktere nehmen andere Rollen an als gewohnt. Auch wurde das Gameplay etwas verändert und so handelt es sich bei Catalyst um ein Open World Spiel, was so ziemlich das Gegenteil des recht linearen ersten Teils darstellt. Ob das der Spielerfahrung gut tut und das Reboot gelungen ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Gerade frei und schon wieder Mist bauen

Das Spiel beginnt mit Protagonistin Faith, die gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde und in die Gesellschaft des diktatorischen Konglomerats integriert werden soll. Wie sie in das Gefängnis kam, erfahrt ihr allerdings nur im Comic "Mirror's Edge Exordination", was natürlich etwas ungünstig ist, wenn man bereit für ein Reboot das Game starten will und direkt grundlegende Infos nicht hat. Jedenfalls wird Faith, während sie gerade das Gefängnis verlässt, von einem anderen Runner namens Icarus befreit und somit kann Faith in ihr altes (illegales) Leben zurückkehren.

Und hier ist der Knackpunkt. Man kann schwer mit den Charakteren sympathisieren, man wird in die Story reingeworfen, Faith kommt aus dem Gefängnis frei, man weiß nicht warum, man weiß nicht was das Konglomerat genau anstellt, außer dass sie anscheinend böse sind und Leute überwachen, man kennt keinen von Faiths Bekannten und direkt wird man von mehreren Leuten angesprochen um dieses und jenes Gerät zu stehlen, um dort einzubrechen, um mit einem gewissen Dogen zu reden, bei dem Faith wohl Schulden hat und und und... So viele Informationen fehlen direkt am Anfang schon und es geht einfach sofort mit Missionen los, bei denen man garnicht weiß, wofür man sie macht.

Auch stört es, dass man ständig in hektischen Situationen, in denen man sich gerade auf das Gameplay konzentriert, mit Funksprüchen bombadiert wird, von denen man nur schwer etwas mitbekommt und welche generell eher uninteressant sind. Trotz alledem ist die Story aber nicht bedingungslos schlecht. Ein paar Charaktere, besonders Plastic, sind sehr sympathisch und unterhaltsam und nach und nach kristallisiert sich eine verständliche Story heraus. Ein paar nette Momente, ein Twist und ein ziemlich cooles Finale werden einem auch geboten. Dieses wird allerdings durch den Umstand geschmälert, dass es offen bleibt und man mit einem Cliffhanger das Spiel wieder verlässt.

 

 

Neue Story, neue Skills

Die "neue" Faith hat auch in der Tat ein paar neue Fähigkeiten, die das Gameplay ein wenig verbessern. Zum Beispiel kann man mit der R2-Taste das Gewicht verlagern und somit direkt aus dem Stand mit voller Geschwindigkeit rennen oder anstatt dass ihr mit L1 an einem kleinen Gegenstand automatisch weit in die Luft springt, könnt ihr durch Halten der Taste den Gegenstand als Sprungbrett benutzen, aber auch wahlweise mit einem kurzen Druck normal drüberhüpfen. Auch neu ist die Fokus-Leiste, welche unserer normalen Lebensanzeige hinzugefügt wurde und den Spieler vor Angriffen schützt. Diese füllt man durch Parcour Moves oder schnelles Rennen.

Auch neu ist ein Skilltree, der absolut fehl am Platze wirkt. Dieser ist nämlich schon zu Beginn des Spiels zu etwa 60% gefüllt und erspielen tut man sich dabei Skills, die man eh schon von Anfang an haben sollte. Beispielsweise das Abrollen mit L2, um nach einem höherem Fall schnell weiterrennen zu können oder das Anziehen der Beine in der Luft, um scheller über Hindernisse zu springen. Vieles ist aber auch belangloses Zeug, wie eine längere Fokus-Anzeige oder mehr Schaden an Gegnertyp X. Auch ohne irgendwelche Nebenaufgaben zu lösen, habt ihr etwa 90% der Skills erspielt und wirklich sinnvolle oder interessante Fähigkeiten bekommt ihr selten. Wenn der Tree dazu motivieren sollte mehr Nebenaufgaben zu machen, hat er dabei vollkommen versagt.

Macht euch aber keine Sorgen, das grundlegende Gameplay macht nach wie vor eine Menge Spaß und funktioniert richtig gut. Ihr könnt nach wie vor über Geländer springen, an Wänden rennen, unter Hindernissen durchschlittern... Alles geht super von der Hand und schreit danach perfektioniert zu werden in Zeitherausforderungen, die das Spiel zur Genüge bietet.

Faust ins Gesicht, statt Beine in die Hand

Der Nahkampf des Spiels hat sich auch grundlegend verändert. Teil 1 hatte kein sonderlich komplexes Kampfsystem. Man greift aus dem Sliden an, aus dem Stand, aus dem Sprung oder nimmt Gegnern durch Kontern die Waffe aus der Hand und schießt selbst damit rum. In Catalyst wurde die Shooter-Mechanik jedoch komplett rausgenommen und basiert nur auf reinem Nahkampf. So könnt ihr mit der Viereck-Taste leichte Schläge ausführen, was bei normalen Standardgegnern schon ausreicht oder mit der Dreieck-Taste härtere Schläge starten, welche primär dafür da sind, Gegner gegen Hindernisse zu schlagen oder in andere Feinde prallen zu lassen. Dafür könnt ihr die Richtung, in die ihr die Gegner schlagt, selbst auswählen. Starke Gegner lassen sich nur besiegen indem ihr sie durch Schlagen in ein Hindernis aus dem Gleichgewicht bringt und dann nachsetzt. Gegner mit Schusswaffen wirken sogar fast lächerlich und können mit simplen Buttonmashing ausgeschaltet werden.

Leider sind die Kämpfe äußerst anspruchslos. Ohne ein bestimmtes Timing haben zu müssen, könnt ihr selbst die stärksten Gegner einfach gegen die Wand hauen und ihnen noch einen Extraschlag verpassen. Das wiederholt ihr ein paar Mal und fertig ist der Kampf. Das ruiniert total die Bedrohung der Feinde, die man in Teil 1 noch ständig gespürt hat. Dort war man ständig auf der Flucht und schon kleine Salven aus einer Schusswaffe haben schnell den virtuellen Tod bedeutet. Hier allerdings rennt ihr auf Kerle mit Schusswaffen einfach zu und haut sie blitzschnell um. Das fühlt sich irgendwie sehr unpassend an und ruiniert quasi das Konzept des Spiels.

Wer braucht schon GPS?

Etwas überarbeitet wurde in Catalyst auch die Runner Vision. Während in Teil 1 lediglich ein paar Objekte in Rot gefärbt wurden, um zu zeigen wo man in etwa lang muss, wird nun durch eine Art roter Nebel die genaue Route dargestellt. Das macht im Anbetracht der etwas unübersichtlichen Open World durchaus Sinn, aber wem das das Finden einer Route zu leicht macht, kann es auch auf die alte Runner Vision umstellen oder sie gar ganz ausmachen. So hat man die Wahl, wie sehr man sich vom Spiel helfen lassen möchte. Ich persönlich habe es erst auf altmodisch gestellt, um etwas mehr Freiheit zu haben, fand aber im Endeffekt dass der Flow besser gegeben ist, wenn man genau weiß, wo man hin muss. Das kann wohl jeder für sich selbst entscheiden. Interessanter Punkt jedoch: Die Runner Vision zeigt nie den schnellstmöglichen Weg.

Auch neue Gadgets bekommt Faith in die Hand gedrückt. Darunter eine Art Hackgerät, mit dem sie große Ventilatoren ausschalten kann, um dort durchzukommen oder nach einem Upgrade sogar bestimmte Gegner für kurze Zeit lahmlegt. Auch neu ist der Schwunghaken. Hiermit kann man an bestimmten Stellen im Spiel größere Schluchten überwinden, euch aber auch irgendwo an Gebäuden hochziehen und später auch Leitern nach unten ziehen und Barrikaden aus dem Weg räumen. Leider sind diese Geräte aber auch nur kleine Gimmicks, die das grundlegende Gameplay kaum erweitern.

Mehr Freiheit = Mehr Langeweile?

Die offene Welt tut Mirror's Edge leider überhaupt nicht gut. Das Spiel könnte, dank seiner mit Icons überladenen Karte, ein weiterer Titel von Ubisoft sein, denn alles ist mit Nebenmissionen übersäht, die allesamt total nichtssagend und uninteressant sind. Es sei denn natürlich, ihr findet es spannend unter Zeitdruck seltene Blumen oder Eier von Punkt A nach B zu schleppen. Zusätzlich dazu gibt es noch die gewohnten Time Trials, in denen man in einer gewissen Zeit von... A nach B rennen muss. Die einzigen etwas kreativeren Missionen sind die Gridnote-Missionen, von denen es leider nur vier Stück gibt. In denen müsst ihr in einem großen Gebäude ganz nach oben empor klettern, während ihr dabei die Laserstrahlen nicht berühren dürft. Dieses Indoor-Klettern funktioniert echt gut und durch die Laser macht das zusätzlich Spaß.

Ansonsten ist die ganze Welt prall gefüllt mit diversen Sammelsachen. Es reicht nicht dass es sicherlich hunderte von Grid-Leaks gibt, die man sammeln kann sondern auch noch Steuerchips, Dokumente, Koffer, Audiologs... Wieso eine Art von Collectible, wenn man gleich fünf haben kann? Das macht den Fluss des Spiels etwas kaputt, denn man fühlt sich ja leicht dazu genötigt dieses oder jenes Item einzusammeln, wenn man es schon sieht.

Ich kann euch aber ein wenig beruhigen, denn hat man einmal die Storymissionen gestartet, haben sie ein ähnlich hohes Niveau wie schon in Teil 1. Man kommt in neue, extra für die Missionen angelegte Bereiche und bekommt dabei die Story erzählt. Leider sind die Locations dabei etwas einseitig. Teil 1 bot ja durchaus auch mal etwas Rennerei auf dem Boden, also dem Asphalt der Stadt oder man befand sich in der Kanalisation oder auf einem Schiff. Hier allerdings ist man entweder AUF Gebäuden oder IN Gebäuden. Dazu kommt dann noch, dass Catalyst grafisch absolut nicht auf der Höhe der Zeit ist. Alles sieht sehr glatt und langweilig aus... Es gibt zwar eine schöne Weitsicht, aber teilweise sehen die Gebäude aus, als hätten sie gar keine Texturen und einige Charaktermodelle sehen einfach nur mies aus. Das Spiel könnte genauso auch auf der PS3 aussehen und im direkten Vergleich muss man sogar sagen, dass Catalyst nichtmal viel besser aussieht, als sein Vorgänger, der immerhin acht Jahre auf dem Buckel hat. Das mag allerdings auch an der PS4-Version liegen, denn nur über die kann ich urteilen.

Trophäen-Check

Die Trophäen von Mirror's Edge Catalyst sind, wie man sich denken kann, damit verbunden alle Nebenaufgaben in der offenen Welt zu erledigen und auch die Hunderten an Sammelitems aufzuheben. Schwierigkeitsstufen gibt es keine und somit reicht auch ein Durchgang, um alle Trophäen freizuschalten. Durch die wirklich vielen Sammelobjekte und Nebenmissionen werden die Trophäen um einiges mehr Zeit in Anspruch nehmen, als noch im Vorgänger, aber zumindest müsst ihr keine Speedruns durch komplette Storylevel mehr absolvieren.

Die größte Schwierigkeit der Platin ist mit Sicherheit die Trophäe für das Erlangen von drei Sternen in sämtlichen Time Trials. Hierfür müsst ihr die Strecke wirklich "lernen" und bevor es anständige Tutorialvideos gibt, wird das auch einige Zeit erfordern. Viel schwerer als in Teil 1 ist es aber denke ich nicht.

 

FAZIT

Mirror's Edge Catalyst hätte ein viel besseres Spiel werden können, wenn Dice auf die unnötige Open World verzichtet und stattdessen auf ein rundes, schön erzähltes Storyerlebnis hingearbeitet hätte. Besonders der Umstand, dass die Origin-Geschichte von Faith selbst in diesem Reboot nicht thematisiert wurde, ist sehr schade. Wieso nicht zeigen, wie sie überhaupt zum Runner wurde, um emotional etwas mehr mit ihr zu verbinden? Wieso muss man einen Comic kaufen, um zu erfahren wie die Story begann? Man muss leider sagen, dass das Spiel nach acht Jahren Wartezeit eine ziemliche Enttäuschung ist. Teil 1 bot einfach die insgesamt bessere Erfahrung und das obwohl dieses Spiel auch seine Schwächen hatte und recht kurz war. Hattet ihr also noch keinen Kontakt mit den Spielen, fangt besser mit dem Ersten an, es muss sich auch heute nicht hinter seinem Reboot verstecken. An die Leute, die Teil 1 mochten und hadern, ob sie sich den Zweiten holen sollen, wartet ab bis ihr günstig rankommt. Für neue Runneraction nach all den Jahren taugt das Spiel allemal, aber es ist wahrlich nicht das Spiel, auf das wir so lange gewartet haben.

 

6.5 von 10

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