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Test: Enemy Front im Test für die PS3: Schleich-Shooter im WW2-Setting


Marloges
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EnemyFront_newsbild.jpg.f6c384be6e3ea297ed8ed9a74b2cb810.jpgShooter die im zweiten Weltkrieg spielen gibt es reichlich. Das Setting ist sehr abgedroschen und man verdreht schon automatisch die Augen, wenn man es alleine schon hört. Jedoch scheint der Trend zumindest in den letzten Jahren etwas zurückgegangen zu sein. In letzter Zeit dominieren die Zukunfts-Shooter und abgesehen von wenigen Ausnahmen sind Zweiter Weltkrieg - Shooter nun doch eine Seltenheit geworden. Enemy Front nimmt sich dieses Setting und will das Ganze sogar mit einem Stealth-Gameplay kombinieren. Ein sehr mutiger Ansatz, denn einen Shooter mit Stealth zu kombinieren ist nicht die einfachste Aufgabe. Ob sich Entwicklerstudio City Interactive, die für die "Sniper" Spiele bekannt sind, damit gelungen ist, einen guten und originellen Shooter in all dem Einheitsbrei zu schaffen, erfahrt ihr in unserem Test.
 

Die bösen Nazis

 

In Enemy Front schlüpft ihr in die Rolle von Robert Hawkins, einem amerikanischen Kriegskorrespondenten, der in ein von Nazis besetztes Gebiet geschickt wird. Doch es bleibt nicht lange bei seiner Aufklärungsarbeit, denn schon schnell wird er in den Krieg hinein gezogen und schließt sich einer Widerstandsgruppe an. Der Grund dafür ist, dass die Nazis in Besitz einer mächtigen Geheimwaffe sind, mit der sie vermutlich den Ausgang des Krieges bestimmen können. Hawkins wird dabei schnell der Mann für alles. Der Protagonisten-Bonus verleitet ihn dazu jegliche Aufträge selbst auszuführen. Egal ob direkt an der Front, oder heimlich hinter den Linien als Spion, Hawkins erledigt das. Vermutlich weil er Amerikaner ist. Die Story wirkt nicht originell und dieser Eindruck wird im Spiel nochmal bestätigt. Enemy Front hat eine typisch klischeebeladene Story ohne große Twists und interessanten Charakteren. Alle Leute bleiben eindimensional und vermutlich wird man sich schnell dabei ertappen die ganzen Namen zu vergessen.

 

Als Schatten durch den Krieg

 

Die Story ist allerdings ohnehin nicht das, worum es geht. Vermutlich würden die wenigsten eine tolle Story erwarten, wenn sie einen Kriegs-Shooter kaufen. Das Interessante an Enemy Front ist das Gameplay. Denn anders als in den meisten Shootern agiert man in diesem Spiel einen Großteil der Zeit schleichend. Anstatt einfach den ersten Gegner den man sieht über den Haufen zu schießen, sollte man sich nach Möglichkeit unauffällig verhalten und einen Gegner nach dem anderen ausschalten ohne dass die anderen etwas mitbekommen. Dazu gibt es beispielsweise die Möglichkeit Steine per Knopfdruck zu werfen um Wachen abzulenken, oder eine schallgedämpfe Waffe zu benutzen. Gegnerische Körper zu verstecken ist im Spiel auch eine Option, allerdings hat das wirklich keinen Nutzen. Die Körper werden so gut wie nie entdeckt, das Verstecken dauert ewig und außerdem eignen sie sich gut als Köder um weitere Gegner anzulocken. Um das Schleichen zu erleichtern gibt es im Spiel eine Anzeige, die darstellt, ob man gesehen wird oder nicht. Der Balken füllt sich, wenn ein Feind den Spieler im Blickfeld hat und füllt sich allmählich. Wenn dies geschieht kann man sich schnell verstecken und der Verdacht der Wache sinkt wieder. Ist man jedoch zu nah dran, füllt sich der Balken sofort und es gibt keine Chance mehr sich noch schnell zu verstecken. An sich funktioniert das Schleichsystem recht ordentlich. Es macht Spaß einen ganzen Bereich zu clearen ohne überhaupt Schüsse fallen zu lassen. Teilweise gibt es sogar wirklich offene Areale, mit mehreren Wegen die man gehen kann. Anstatt einen total linearen Weg, kann man sich also selbst seinen eigenen suchen. Das Fernglas ist in solchen Gebieten besonders praktisch, denn mit diesem lassen sich Gegner markieren und werden anschließend auf der Minimap und als Symbol sogar durch Wände angezeigt. Es gibt tatsächlich mehrere Wege eine Passage zu schaffen und das macht den Reiz des Spieles aus. Ein schönes Detail ist auch, dass Umgebungsgeräusche wie Schießübungen, oder vorbeifliegende Flugzeuge laut genug sind, dass Gegner die Schüsse des Spielers in diesem Zeitraum nicht mehr hören können und man sich dies zum Vorteil nutzen kann. Auch gibt es die Möglichkeit die Umgebung zu nutzen, um Wachen zu erledigen. Beispielsweise gibt es Baumstämme, die man durch einen präzisen Schuss ins Rollen bringen lassen kann, oder Container, auf dessen Halterung man schießen kann um sie auf den Feind fallen zu lassen. Das sind allerdings eher Ausnahmen und meistens sind diese Objekte so offensichtlich platziert, dass es lächerlich wirkt.

 

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Künstliche Intelligenz aus der Hölle

 

Auch wenn das Schleichsystem wirklich solide ist, macht einem die miese K.I. sehr oft einen Strich durch die Rechnung. Teilweise wundert man sich wie blöd die Wachen sind, weil sie sekundenlang in die Richtung des Spielers starren und einen trotzdem nicht entdecken und manchmal entdecken sie einen aus den verrücktesten Winkeln. Beispielsweise wird man manchmal sofort entdeckt wenn man auf einem Dach steht und die Wachen weit unterhalb des Spielers stehen. Nicht allzu hilfreich ist dabei der Fakt, dass aufeinmal alle anderen Wachen auch wissen wo man ist, obwohl die Wache, die einen entdeckt hat, nichtmal Alarm geschlagen hat. Was man auch beobachten kann, sind teils lächerliche Fehler. Befindet man sich hinter einer Deckung, sollte man eigentlich nicht mehr zu sehen sein, jedoch wissen die Wachen genau an welcher Position hinter der Deckung man sich  befindet und sie zielen darauf. Rennt man allerdings raus, zielen sie, obwohl man deutlich zu sehen ist, immernoch auf die alte Position und erst Sekunden später zielen sie dann wieder ruckartig auf den Spieler. Die schlechte K.I. ruiniert dabei außerdem die ganze Prämisse des Spieles. Während man, wenn man beim Schleichen nicht aufpasst, schnell mal durch eine Salve des Gegners sofort niedergestreckt werden kann, kann man auch genauso gut von vorneherein auf das ganze Schleichen verzichten und den offensiven Weg gehen. In der Regel ist dies nämlich der einfachere Weg, was die Spielmechanik absolut ruiniert. Überall gibt es gute Deckung, die Gesundheit regeneriert sich schnell und  die K.I. ist einfach nur doof. Einen Bereich kann man beispielsweise gut bewältigen indem man einfach in die Luft schießt, hinter der Deckung wartet bis die Gegner angerannt kommen und einen nach dem anderen abschießt, da sie wie glückliche Zielscheiben auf den Spieler zurennen. Und ja, das Ganze funktioniert auch auf der höchsten Schwierigkeitsstufe sehr leicht. Ein Schleichspiel, bei dem die heimliche Variante aufwendiger und schwieriger ist, zeugt nicht gerade von dem besten Game-Design. Natürlich muss man selbst entscheiden auf welche Weise man das Spiel spielt, man könnte versuchen es erst heimlich zu versuchen und bei einem Alarm dann doch auf die Action-Variante zu wechseln, aber es ist einfach zu verlockend einfach den offensiven Weg zu nehmen.

 

Technisches Desaster

 

Grafik in Spielen sollte nie das Hauptaugenmerk sein, wenn allerdings ein Spiel, welches dauernd damit prahlt die CryEngine zu benutzen, technisch auf dem Stand einer HD-Version eines PS2-Spiels ist, dann ist das durchaus ein Kritikpunkt. Das Spiel ist in diesem Bezug einfach unfertig. Starke Frameeinbrüche, überall Texture Pop-Ins, altbackende Animationen, total unrealistisch aussehende Bluteffekte, NPC's dessen Animationen aufeinmal aufhören und sich keinen Centimeter mehr bewegen, nichtmal mehr blinzeln... Das alles sind Fehler die man in einem Durchgang beobachten kann. Wenn überall Fehler auftauchen, das Spiel nicht flüssig läuft und Bugs auftreten, ist das Spiel einfach noch nicht fertig. Ein schönes Beispiel ist folgendes Ereignis: Man öffnet eine Tür, rennt eine Treppe hinauf, zielt mit dem Scharfschützengewehr, schießt einen Gegner ab und bemerkt plötzlich dass das Spiel den Hauptcharakter zurück "teleportiert" hat und aufeinmal startet die Animation in der man sieht, wie Hawkins die Tür schließt, durch die man 10 Sekunden vorher gelaufen ist und darf anschließen wieder die Treppe hinauf gehen. Das Trefferfeedback ist auch nicht vorhanden. In einem Shooter sollte man fühlen dass man eine Waffe abfeuert, allerdings ist es in Enemy Front einfach langweilig und fühlt sich falsch an. Auch wirkt die Treffsicherheit der Gegner absolut beliebig. Manchmal schaffen sie es auf etliche Meter Entfernung zu treffen und manchmal steht man direkt in der Nähe und kriegt nichts ab. Umgekehrt funktioniert das übrigens genauso. Ein Gegner guckt aus der Deckung, man feuert präzise auf ihn, aber aus unerfindlichen Gründen trifft man nicht. Als ob die Deckung weiterreichen würde, als das Spiel es anzeigt. Dasselbe Problem hat man auch mit dem Fernglas. Markieren ist normal kein Problem, man muss den Gegner nur ein paar Sekunden im Blickfeld haben, stehen sie allerdings von der Hüfte abwärts hinter einer Straßensperre oder ähnliches, ist man plötzlich nicht mehr in der Lage sie zu markieren, auch aus naher Distanz. Lange Rede, kurzer Sinn: Man merkt dem Spiel deutlich an dass die Entwickler Zeit- oder Geldprobleme gehabt haben und das Spiel schnell fertig haben mussten. Auch wenn man tolerant gegenüber Bugs und Grafikfehlern ist, beeinträchtigt das den Spielspaß enorm.

 

Was das Spiel sonst noch bietet

 

Um es kurz zu machen, nicht viel. Ein cooles Feature ist allerdings die Killcam. Diese aktiviert sich hin und wieder wenn man mit dem Scharfschützengewehr einen Schuss von weiter Entfernung abfeuert und trifft. Sieht wirklich cool aus, aber nach etwa 10 mal hat man sich auch daran satt gesehen und man verflucht eher die Zeitverzögerung, weil man einfach weiterspielen möchte. Was das Spiel auch noch bietet sind Nebenaufgaben. Abseits der Story kann man in den Gebieten optionale Aufgaben lösen. Das sind dann meist simple Sachen wie Leute retten, ein Fahrzeug ausschalten, bestimmte Dokumente finden, Lichter ausschalten usw. Ist eine wirklich nette Idee, bringt aber quasi nichts. Es gibt nur selten Belohnungen wie Waffen dafür und so etwas wie Erfahrung oder Skills hat das Spiel auch nicht. Man kann es also genauso gut lassen und ab und zu eine Aufgabe erfüllen, wenn einem gerade danach ist. Um dem Schleich-Gameplay etwas Abwechslung zu verleihen, gibt es in Enemy Front auch einige Passagen bei der man direkt an der Front mitkämpft. Viel gibt es dazu nicht zu sagen, standardmäßige Shooterpassagen, bei denen man von Deckung zu Deckung rennt und Gegner ausschaltet. Ab und zu darf man an ein Geschütz, muss einen Panzer abschießen, oder Sniper spielen, doch das war es auch schon. Das Spiel hätte sich eindeutig auf eine Sache konzentrieren sollen, entweder Schleichen oder Ballern. So ist es leider nichts Halbes und nichts Ganzes. Achja, einen Multiplayer-Modus gibt es ja auch noch. Dieser ist jedoch komplett überflüssig und wirkte so, als hätten die Entwickler ihn nur ins Spiel integriert, damit das Spiel halt einen hat. Der MP besteht aus drei Spielmodi. Team-Deathmatch, Deathmatch und Funkübertragung. Zwei erklären sich von selbst und der dritte ist simples Einnehmen von Gebieten um einen Funkspruch zu senden. Innovation sucht man vergebens. Die 4 Maps wirken viel zu groß für die maximal 16 Leute, die in einem Spiel beitreten können. In einem alle gegen alle Deathmatch ist es in Ordnung, ansonsten jedoch einfach nur zu viel sinnlose Rennerei. Ein weiterer Kritikpunkt ist das Fehlen von Perks oder Waffen die man freispielen kann. Man sucht sich eine Klasse aus, die bereits alles freigespielt haben und zieht in die Schlacht. Es gibt keine Motivation den Modus überhaupt zu spielen (abgesehen vielleicht von Trophäen) und offenbar sehen das auch andere Spieler so, denn einen Server zu finden ist auch nicht die leichteste Aufgabe. Bei einem neuen Spiel sollte man zumindest erwarten ein paar Spiele finden zu können, aber tatsächlich hat man schon Glück wenn man 1-2 findet. Daher auch fast unmöglich den Multiplayer ausführlicher zu testen.

 

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Trophy-Check

 

Die Trophäen sind recht typisch für einen Shooter. Man muss das Spiel auf der höchsten Stufe beenden, alle Sammelitems finden und in diversen Passagen des Spieles Bedingungen erfüllen wie z.B. "nicht entdeckt werden", "alle Fahrzeuge zerstören" oder "niemanden sterben lassen". Alles durchaus machbar, den Großteil seiner Zeit wird man im Multiplayer verbringen, da man mindestens 50 Partien spielen muss und recht harte Bedingungen wie "Eine Deathmatchrunde gewinnen, ohne zu sterben" erfüllen muss. Ohne Boosten wohl nicht so einfach. Die Serverprobleme helfen dabei nicht gerade. Ansonsten jedoch eine recht schnelle und einfache Platin, wenn man Boost-Partner hat.

 

Fazit

Enemy Front ist ein unfertiges Spiel. Die vielen Bugs, die schlechte K.I. und die Grafikfehler mindern den Spielspaß sehr. Doch auch davon abgesehen handelt es sich bei Enemy Front um einen recht simplen WW2-Shooter mit einer uninspirierten, belanglosen Story und einem Gameplay das einfach zu viele Schwächen aufweist. Das Schleichen im Spiel ist zwar spaßig und generell hat das Spiel ein paar spaßige Momente, jedoch hätte man sich entscheiden sollen ob man nun konsequenz ein Stealth- oder einen Action-Shooter macht. Denn wenn Schleichpassagen auf dem offensivem Weg leichter zu lösen sind, ist das einfach nicht gut gelöst. Alles in allem bekommt man eine gut 8 Stunden lange Kampagne und einen Mehrspielermodus, der einfach nur dahingeklatscht wurde. Empfehlen würde ich das Spiel wirklich nur den Leuten, die eine sehr hohe Toleranz gegenüber Bugs und altbackender Grafik haben und unbedingt wieder einen WW2- oder Schleich-Shooter haben wollen. Doch auch in diesen Genres gibt es bessere und günstigere Alternativen wie "CoD: World at War", welches ein wirklich solider WW2-Shooter ist, oder "Metro: Last Light" und "Far Cry 3", welche das Schleichen wunderbar in das Shooter-Gameplay einbauen konnten.

4/10

Edited by d4b0n3z
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