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2Dark im Test für die PS4 – Ihr Kinderlein kommet


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2Dark_20170315202401.thumb.png.e557422312f473470686cad4cde1f13c.png25 Jahre ist es nun her, dass Alone in the Dark neue Maßstäbe für das Horror Genre im Videospielbereich setzte. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass die Erwartungen hoch sind, wenn der französische Kult-Entwickler Frédérick Raynal einen neuen Horror Titel auf den Markt bringt. 2Dark heißt das neueste Werk aus seiner Feder und nach eigenen Aussagen soll es erneut das Horror Genre auf eine neue Ebene heben. Was damit gemeint ist und ob er den Mund nicht etwas zu voll genommen hat, erfahrt ihr in unserem Test.

 

Mussten es ausgerechnet Kinder sein?

2Dark fängt eigentlich ganz friedlich an. Ein Polizist und Familienvater geht mit seiner Frau und den beiden Kindern zum Zelten, die Kinder tollen herum, die Mutter ist leicht genervt und der Vater ist mit dem Zeltaufbau überfordert. Alles normal soweit; das Leben könnte schöner kaum sein. Außer vielleicht ohne Kinder, die ihren Vater nicht in Ruhe lassen können, weshalb die Frau die beiden Plagegeister schnappt und mit ihnen in den Wald geht.

 

Als der junge Detective Smith einen lauten Schrei hört, ahnt er schon Schlimmes und der Verdacht wird erhärtet, als seine Frau ermordet am Wegesrand liegt und nur ein paar Schritte weiter entdeckt er seine Kinder, die in einem Transporter entführt davonfahren. Smith stürzt daraufhin in Depressionen, verliert seinen Job wegen unlauterer Verhörmethoden und baut sich in seinem Zuhause sein eigenes Trainingslager zusammen, inklusive geheimem Ermittlungszimmer.

 

Nur ein paar Jahre später häufen sich die Fälle von Kindesentführung in Gloomywood und der suspendierte Ermittler macht sich anhand der Indizien, die er gesammelt hat, auf, die Entführer zu erwischen und die Kinder zu retten. Dabei kommt er einer großen Verschwörung auf die Spur, die das kleine Städtchen umspannt und die Eltern der Stadt in Angst und Schrecken versetzt.

 

 

Weil wir das alles so sehr lieben

Was mögen Spieler so richtig gern: Wasserdungeons, Zeitquests, Eskortmissionen. Und weil letzteres so richtig beliebt ist, dachte sich Raynal, dass er dieses Feature einfach mal als Hauptbestandteil seines Spiels macht. Aber nicht so langweilig, wie Ellie oder Elizabeth, sondern eher so auf Präsidententochter Niveau. Aber noch ein wenig mehr mit Lemminge gekreuzt.

 

Die Aufgabe ist es nämlich, als Smith durch die Verstecke der Entführer zu gehen, dabei einen Haufen Beweise sammeln und all die gefangenen Kinderlein zu retten, denen man unterwegs begegnet. Ob sie nun in einer Kiste gefangen sind oder verrückten Psychopathen als Sklaven dienen, alle Kinder müssen mit. Doch Obacht, sie haben Angst vor Leichen, Monstern, vor so ziemlich allem. Außer Fallen, die scheinen sie magisch anzuziehen.

 

Man fühlt sich schon fast wie der Rattenfänger von Hameln, wenn man die Bande Kids hinter sich herzieht. Man kann sie auch tragen oder mit Bonbons anlocken, aber meistens vertrauen sie dem lädierten Mann mit der Kippe im Mund und dem bluttriefenden Brecheisen. Das Lemmingverhalten ist manchmal sehr nützlich, sie folgen jedem Schritt und so kann man sie durch die Gefahrenzone bringen – doch sie laufen auch mal patrouillierenden Wachen in die Arme, wenn man nicht aufpasst.

 

Kindesentführung für Dummies

Das Spielprinzip ist einfach: reingehen, retten, rausgehen. Die Möglichkeiten sind dabei jedoch vielzählig. So besitzen Gegner und Kameras beispielsweise einen Sicht- und Hörradius. Darin sollte man also Rufe, laute Schritte oder andere Aktionen wie klopfen, rufen oder Kisten öffnen vermeiden, wenn man nicht ihre Aufmerksamkeit erwecken will. Den Kindern kann man auch Anweisungen geben und erst einmal allein kundschaften. Aus der isometrischen Perspektive ist das kein Problem, da man alles gut überblicken kann.

 

Das heißt, solange es hell ist. In 2Dark ist es nämlich stockfinster. Und weil Spieler es so gern mögen, verfügt die Taschenlampe über eine Batterieanzeige, die Kerze über eine Haltbarkeit und das Zippo über eine Reichweite von gefühlten 2 cm. Das einzige, was man im Dunkeln sehen kann, sind Geräusche, die die NPCs machen. So kann man sie leicht überwältigen und ihnen ordentlich eine verpassen. Doch Vorsicht – nicht alle Akteure sind dem Spieler feindlich gesonnen.

 

Das Inventar kann man auch sehr einfach bedienen. Pfeiltasten und Dreieck sorgen dafür, dass man stets die richtigen Gegenstände ausrüsten kann. Manche Objekte kann man so anzeigen lassen, andere ausrüsten, um damit Gegnern auf die Pelle zu rücken. Man kann auch Gegenstände kombinieren, indem man bei gedrückter Aktionstaste ein Objekt über ein anderes zieht. Es fehlen nur leider ein paar Komfort-Bedienungen, zum Beispiel nimmt Smith nicht automatisch seine Brechstange raus, wenn man vor einer Kiste steht und gelegentlich werden Objekte abgelegt und man weiß gar nicht so genau, warum.

 

Ich sehe ja gar nix

Die Optik des Spiels kann sich allerdings sehen lassen. Auch wenn das Spiel auf den ersten Blick ausschaut, als sei es aus den Untiefen des RPG-Makers entsprungen und auch das Menü nicht sehr einladend ausschaut, so wird man doch sehr schnell vom Gegenteil überzeugt. Trotz Pixeloptik sind die Texturen hoch aufgelöst und die Lichteffekte können sich auf jeden Fall sehen lassen.

 

Dazu kommen Grafiken, die die Geschichte erzählen und auch schön anzusehen sind, wenn man von ihrem bedrückenden Inhalt absieht. Zum Sound gibt es ebenso wenig zu sagen; die Musik ist stimmig und die Soundeffekte sind passend. Außerdem erkennt man sowohl optisch, als auch am Sound, wenn man erwischt wurde oder ein Gegner zumindest unruhig wird. Die tiefe Schwärze trägt zwar nicht allzu gut zur Optik bei, aber dafür zur Stimmung, wenn man nicht weiß, was in der tiefen Schwärze lauert.

 

Die Texte des Spiels wurden dabei komplett ins Deutsche übersetzt. Und – es ist schon traurig, dass man das heutzutage erwähnen muss – das auch noch korrekt. Die gesprochene Sprache des Spiels hingegen bleibt auf Englisch, man muss sich also mit den Untertiteln zufrieden geben. Oder besser gesagt mit den Obertiteln, denn wenn die Figuren des Spiels reden, dann durch kleine Sprechblasen. Nicht ganz so liebevoll, aber es erfüllt seinen Zweck.

 

Horror oder Humor? Auf jeden Fall brutal

2Dark ist nicht nur optisch sehr düster. Kindesentführung, Mord, Missbrauch, Depressionen – alles Themen, die das Spiel dominieren. Dementsprechend ist auch der Grundton des Spiels sehr düster. Bei all den deprimierenden Ereignissen und gewalttätigen Auseinandersetzungen fällt es einem schwer, den Bodycount auf Null zu halten, denn nur so gibt es eine gute Abschlussbewertung nach der Mission.

 

Trotzdem steckt das Spiel voller abstruser Dinge, wie dem man sich ernsthaft fragen muss, ob das ungewollt oder mit voller Absicht komisch ist. Nicht nur, dass die Gegner die dümmsten Geschichten auf Lager haben, auch das Setting kann nicht immer ernst genommen werden. Eine Geisterbahn mit tödlichen Fallen? Ein Clown, der Kinder in Kostüme steckt, statt Tiere zu dressieren? Und die Krone der Schöpfung ist sicherlich die Speichermöglichkeit: Hierzu muss man im Inventar eine Zigarette mit dem Feuerzeug kombinieren.

 

Allerdings ist Rauchen nicht das Tödlichste, was auf Smith in der Welt von 2Dark lauert. Und wo gehobelt wird, da fallen Späne. Deshalb fließt das Blut literweise, aus den Schusswunden sprudeln die roten Fontänen nur so hervor und einmal mit dem Brecheisen falsch ausgeholt und schon begleitet einem ein Kind mit nur einem Auge. Dass Wände und Böden am Ende eines Levels schon mal rot gesprenkelt sind, erklärt sich von selbst und auch hier bewegt sich das Spiel wieder auf dem schmalen Grat zwischen Ernst und absolutem Trash.

 

Not Alone in the Dark

Die Trophäen-Liste des Spiels ist leider recht enttäuschend. Es gibt keine Platin-Trophäe und gerade einmal eine Gold-Trophäe für das Finden aller Bonbons. Die einzige Silber-Trophäe erhält man dafür, dass man in einem Level nicht speichert, was recht einfach ist, wenn man alle Eventualitäten kennt. Das erste Level bietet sich dafür an, da es zu großen Teilen noch aus Tutorial-Sektionen besteht und wenn man lediglich dem Hauptpfad folgt, so kann man auch die Fallen leicht umgehen.

 

Die 13 Bronze-Trophäen sind allesamt recht human. Besonders den ersten Gegner von hinten ermorden, zwei Minuten im Dunkeln stehen und 10.000 Schritte gehen oder zu viel Rauchen sind nicht besonders anspruchsvoll, ebenso das Füttern der Katze, die immer vor dem Haus von Mr. Smith mauzt. Allerdings gilt hierbei nicht die erste Interaktion in Kapitel 2, wenn man ihr Milch geben kann, ein paar Kapitel lang muss man sich schon gedulden.

 

Etwas anspruchsvoller hingegen wird es, wenn man alle Kinder in einem Level auf einen Schlag retten will, hierfür ist gute Vorarbeit wichtig. Aber, naja, auch hier bietet sich das erste Level an, da hier alle Kinder auf einem Haufen sind, wenn man von den beiden am Anfang absieht, aber da kommt man ja eh nochmal lang. Zu guter Letzt gibt es eine Handvoll Boss-Trophäen, für die man sich der Anführer auf besondere Arten entledigen muss. Und da dieses Spiel durch Crowdfunding finanziert wurde, wird der Spieler auch ermutigt die Liste aller Unterstützer zu finden.

 

Fazit

Im Grunde hat 2Dark schon ziemlich Charme und der Stil passt auch sehr gut. Die Grundidee ist ordentlich, Kindesentführung und Kindesmissbrauch passt immer gut, wenn man schockieren will und die Handlung den Spielern an die Nieren gehen soll. Die Präsentation ist dann aber alles andere als Optimal. Wer mag schon Escort Missionen? Auch das Trial and Error Prinzip sorgt nicht unbedingt für spielerische Tiefe und neben den abstrusen Dingen, die passieren, fragt man sich, ob das Spiel absichtlich trashig ist oder ob die Entwickler so sehr schockieren wollten, dass sie zwischen mysteriös-unangenehm und bescheuert nicht mehr unterscheiden konnten. Wer auf isometrischen Stealth steht und auf knackige Puzzle steht, wird bei 2Dark aber trotzdem auf seine Kosten kommen.

 

6.5/10

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