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Test: Days Gone (PS4)


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Spieletest - Days Gone

 

Details

Plattform: PS4 | Developer: SIE Bend Studio| Publisher: Sony Interactive Entertainment

Genre: Adventure / Third-Person Shooter / Post-Apokalypse


 

Days Gone hatte es nicht leicht. Erst als “The Walking Dead” Rip-off abgestempelt, dann nicht erwartungsgemäß verkauft, zu schnell als PS+ Titel verramscht und dann die Fortsetzung gecancelt. Was ist denn hier bitte schiefgelaufen? Die Antworten im Test:

 

 

Aufs falsche Motorrad gesetzt

 

Vielleicht war es nicht das richtige Timing, und vielleicht sieht Deacon einem bekannten Fanliebling aus einer noch bekannteren Zombie-TV-Serie einfach zu ähnlich: Als die ersten Days Gone Trailer veröffentlicht wurden, waren die Rufe nach “The Walking Dead”s Daryl Dixon sehr laut. Dann fährt er auch noch Motorrad und hat eine Armbrust - das kann kein Zufall sein. Doch möglicherweise hätte Days Gone sich diese Werbeschnitzer nicht erlauben sollen: Wer die Anlehnung mochte, würde enttäuscht werden, und wer die Anlehnung nicht mochte, würde es auch nicht kaufen. 

Dabei hat Days Gone so viel mehr zu bieten, als ein möglicherweise zu sehr angelehntes Charakter-Design. Wer unbedarft und offen an Days Gone heran geht, wird glücklicherweise belohnt, und zu diesen Spielern zähle ich mich.

 

Dabei ist vieles, was Days Gone tut, nicht neu - aber neu und wirkungsvoll kombiniert: Ich durfte eintauchen in eine fantastische Open World mit dem obligatorischen Sammelkram und den zu erwartenden Nebenaufgaben, in einer Welt, in der einem jederzeit und um jede Ecke eine so gigantische Zombiehorde erwarten konnte, dass ich die ersten 20 Stunden des Spiels vollkommen panisch Reißaus genommen habe - Die schiere Masse war beeindruckend beängstigend.

 

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Doch Days Gone ist kein Horror- oder Survivalgame, es gleicht mehr einem RPG, in dem man sich um seine Skills kümmert und sein treues Motorrad pflegt, da es einem den werten Hintern retten kann. Reparaturen und Erweiterungen an dem guten Stück sind an der Tagesordnung und geben einem ein Stück weit das Gefühl von so etwas wie Normalität. Diese Post-Apokalypse ist mehr, als nur “Überleben”. Das spürt man auch in den Dialogen mit Campbewohnern, von denen viele teils als Händler oder Questgeber agieren.

 

Aber natürlich ist Days Gone auch ein Third-Person-Shooter, leicht vergleichbar mit Uncharted und Horizon Zero Dawn. Das Gunplay in Days Gone ist dabei eher Durchschnitt. Es macht Spaß und erfüllt seinen Zweck sehr gut, bietet jedoch wenig Innovation und trägt das Spiel auch nur so weit wie es muss. Im besten Fall stört es nicht weiter, und das finde ich vollkommen in Ordnung. Selbst im Kampf gegen die in Days Gone so einzigartig in Szene gesetzten Horden, ist es weniger wichtig welche Waffe man wählt, als mehr wie man die Horden geschickt leitet und dabei am Leben bleibt.

Diese Gesamtkombination erschien mir ungewöhnlich und funktionierte überraschend fantastisch. Doch um diese Aspekte genießen zu können, musste ich mich zuerst durch eine langsam rollende, zu Beginn weniger spannende Geschichte schleppen, von der ich heute glaube, dass sie der Grund dafür ist, warum Days Gone für manche Spieler nicht funktioniert.

 

Zu viel Zeit gelassen?

 

Deacon und sein “Bruder” Boozer sind überbleibsel eines Motorradclubs, wie man sie sich klischeehaft heute vorstellt. Zusammen haben sie schon 731 Tage seit dem Virusausbruch überlebt, was auch im Pause-Menü durch den namensgebenden Counter verdeutlicht wird: “731 Days Gone”. Als Boozer verletzt wird, und Deacon auch noch sein Motorrad verliert, muss man als Spieler zunächst den Untersatz ersetzen und auf der Suche nach Hilfe verschiedene Camps von Überlebenden abklappern. Soweit die Kurzfassung. 

So richtig spannend wird das Ganze erst, als man im dritten Camp auf wirklich wunderbar charmant geschriebene Charaktere trifft, sowie Hinweise auf Deacons vermeintlich verstorbene Frau Sarah findet, und dann noch Aufträge von einem Wissenschaftler erhält, der die Zombieseuche untersucht. All das mündet in einem spannenden Höhepunkt mit der ein oder anderen überraschenden Wendung.

Die Erzählung muss sich hier keinesfalls verstecken - Die Missionen sind atmosphärisch, spannend und abwechslungsreich, ob man nun Feinde ausschaltet oder Forscher ausspioniert. 

Doch sie kommen zu spät. Wer nach fünf Stunden ausgestiegen ist, weil das Spiel bis dahin keine Fahrt aufgenommen hat, der wird sie nicht mehr erleben. Schade! Denn gerade, nachdem ich Days Gone einmal durchspielen konnte, betrachtete ich das Pacing zu Beginn auch aus einem ganz anderen Blickwinkel, und konnte die Entscheidung der Entwickler und Autoren nachvollziehen - Days Gones anfängliche Schwäche, war eigentlich eine große Stärke im Gesamtbild. Der Start ließ einem Zeit, sich an die Post-Apocalypse zu gewöhnen und Deacons Einzelgänger-Dasein zu erleben, welches in starkem Kontrast zu dem steht, was wir gemeinsam mit ihm erleben werden. Zudem können wir die Open World einmal kurz zu Fuß zu erkunden, bevor man sich endgültig auf das Motorrad schwingt um möglicherweise nie wieder für die wundervollen Details abzusteigen, die eigentlich mehr verdient haben, als nur mit 80 Sachen daran vorbeizurollen.

 

Die Grafik beeindruckt dabei natürlich nicht nur in der Umgebung, in der man beobachten kann, wie während der Fahrt die Schneeflocken auf Deacons Motorrad schmelzen. Auch Mimik und Gestik haben mich tief beeindruckt und nicht nur zu witzigen Auflockerungen beigetragen, sondern auch die Chance eröffnet, die Gefühle der Figuren auf eine Art zu vermitteln, die wir bisher nur aus dem Kino kennen. Ob nun Deacons Erinnerung an seine Hochzeit mit Sarah, Wiedersehen mit alten Bekannten, selbst unangenehme Stille zwischen alten Freunden oder Boozers kindliche Freude über seinen Hundewelpen. Schlicht - filmreif.

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Nachdem die Geschichte jedenfalls so viele spannende Hinweise für mich fallen gelassen hatte, konnte ich meinen Controller nicht mehr aus der Hand legen, während ich gleichermaßen Deacons Vergangenheit mit seiner Frau erkundete, welche ich schnell als meinen liebsten Charakter ins Herz schloss, und die mit dem Virusausbruch verknüpft zu sein scheint. Nebenbei ging ich den Virus-Untersuchungen in der Gegenwart nach, oder half einigen Nebencharakteren aus der Patsche, bis zu einem Storytwist, der mich zum Schluss wirklich überraschte und die Lust auf einen Teil 2 so richtig anfeuerte.

 

An diesem Punkt ist an “The Walking Dead” Vergleiche übrigens kaum noch zu denken, das erledigt sich sehr schnell von allein. Dass bestimmte thematische Überschneidungen existieren, ist weniger der Bekanntheit der Serie geschuldet, als mehr der Tatsache, dass eine postapokalyptische Geschichte nunmal grundsätzliche Fragen beantworten muss um zu funktionieren. Dazu gehört eben auch die Frage der Organisation von Überlebenden und ihren Beweggründen Entscheidungen zu treffen.

Beides löst Days Gone sehr gut, ohne klischeehaft zu sein oder verkrampft “anders” wirken zu wollen. Dafür hat das Spiel seine Chance hervorragend genutzt, die der Genrewechsel geboten hat. Ein Open World Adventure ist kein Horror-Survival und muss deswegen nicht immer schnell oder actionreich sein, es muss nicht an jeder Ecke ein Jumpscare gefürchtet werden und die Erzählung muss auch nicht schlauchartig vorangetrieben werden, wie bei anderen bekannten Genrevertretern. Wenn ich also Lust hatte die Aussicht zu genießen, konnte ich mit dem Motorrad eine Spritztour machen, dabei mehr oder weniger bekannte Sehenswürdigkeiten besuchen und unterwegs möglicherweise ein Zombienest abfackeln, um das Camp in der Nähe ein wenig sicherer zu machen. Abends konnte man heimkommen, und NPCs beim Gitarrenspiel lauschen, denn das Spiel hielt sogar ein ganzes Album an gelungenen Ohrwürmern bereit, so dass jeder Abend anders sein konnte.

 

 

 

 

Eine weitere Stärke des Spiels, die gut geschriebenen Dialoge, und die einladende Aussicht verlockten mich auch immer wieder dazu, genau das zu nutzen, wenn ich mal nicht sofort in die nächste Mission starten wollte. Ich lauschte auch einfach zu gern den eingestreuten Dialogen, die sich über Funk abspielten, in denen einer der Beteiligten eine Anekdote "von früher" erzählte, oder mal eine intime Frage stellte, während Deacon einfach nur von A nach B fuhr. Und obwohl ich den entspannten Gesprächen einfach nicht müde wurde, glaube ich, dass ich immernoch nicht alle gehört habe.

Für den Nervenkitzel konnte ich mich aktiv auf die Suche nach stets wandernden Horden machen, von denen die größte 500 Zombies umfasst und nicht nur Skill sondern auch Fantasie und etwas Trickserei verlangt um sie auszulöschen.

Was will man bitte mehr?

Ich für meinen Teil sage deswegen: Hut ab für den Mut so ein Spiel zu entwerfen.

 

Es war genug, um von der Trophies.de Community zum Spiel des Jahres 2019 gewählt zu werden, genug für mich um die Charaktere wirklich zu vermissen, doch für eine Fortsetzung hat es, wie nun leider offiziell bestätigt wurde, nicht gereicht.


 

Trophäen-Check

 

Die Platin in Days Gone benötigt so einige Collectibles und so einige Horden-Kills, doch lange nicht alle. Somit existiert ein Puffer, der dafür sorgt, dass man sich nicht allzu große Sorgen um Trophäen machen muss. Das Nachholen ist zudem später auch kein Problem. Egal ob Nero-Stationen, Horden oder feindliche Camps, alles was man sucht ist auf der detaillierten Karte zu finden und kann zu beliebigen Zeitpunkten eingeschoben werden. Zudem sollte Deacons Repertoir verschiedener Kills ausgenutzt werden um für alle Handlungen auf die entsprechende Anzahl zu kommen. Somit ist die Platin für jeden Casual Gamer absolut im Rahmen des Möglichen.

 

Anders sieht es bei den DLCs aus, welche kostenlos geliefert wurden, und die sich an geübte Spieler und Fans richten. Zum einen steht ein NG+ bereit und ein Survival Modus. Das ist eine besondere Schwirigkeitsstufe die beispielsweise den HUD ausblendet, Schnellreisen verbietet und somit einer Herausforderung darstellt, die es im Hauptspiel so nicht gibt. Jedoch sollte man keine Angst haben und sich der Challenge stellen, da sie alles andere als unfair konzipiert ist und dann mit einer NG+ und einer Survival Mode Trophäe belohnen kann.

Die Herausforderungen, die zudem implementiert worden sind, setzen der Spielerleistung jedoch dann die Krone auf und fordern bis zum Schluss alles für die 10 Trophäen - hier ist Skill gefragt! Nicht nur gegen unendliche Horden, sondern auch auf Motorrad-Routen oder in unendlichen Schleich-Sequenzen, die es durchzuhalten gilt, bis man in allen Challenges eine Goldwertung einfahren kann.


 

Fazit

 

Days Gone legt leider schleppend los, doch wer sich davon ein paar Stunden nicht abbringen lässt, der wird mit einer spannenden Geschichte, Witz, charmanten Charakteren und atemberaubenden Horden-Szenarios entlohnt. Zudem bietet es eine ausgewogene Mischung an einfacheren und knackigeren Herausforderungen, für Einsteiger und Fortgeschrittene. Für mich hat Days Gone einen ungewöhnlichen Genremix hingelegt, der bewiesen hat, dass man sich nicht immer an gegebene Formeln halten muss und der es wert ist, seine Erwartungen an ein “Zombiespiel” zu überdenken. 

Pluspunkte gibt es außerdem, da die kostenlosen DLCs nicht nur nochmal einiges aus dem Spiel und dem Spieler herauskitzeln, sondern auch darauf verzichteten nochmal Geld aus dem Spiel heraus zu quetschen.

Meine Geschichte mit Days Gone ist jedenfalls noch nicht zuende, und ich hoffe, dass vielleicht irgendwann doch noch die Chance auf einen zweiten Teil eröffnet wird.

 

 

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Wertung

9/10

  • gefällt mir 8
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