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Unravel im Test für PS4 - Bloß nicht den Faden verlieren


supersushi
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Das Entwicklerteam von Coldwood Interactive ist bislang vielleicht noch nicht jedem Spieler ein Begriff, der Publisher EA aber alle Male. Zusammen haben sie den Plattformer Unravel auf den Markt gebracht. Hierbei werdet ihr mit der Garnfigur „Yarny“ auf eine emotionale Reise geschickt, die einiges zu bieten haben soll. Laut Coldwood Interactive soll EA sich sehr stark darum bemüht haben Unravel unter ihrem Namen veröffentlichen zu dürfen. Ob es sich bei Unravel aber nur um einen Abklatsch von LittleBigPlanet handelt oder das Spiel doch als neue Marke bestehen kann, erfahrt ihr in unserem Test.

PS4 | Platin | USK6

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SYSTEM: PLAYSTATION 4
VERTRIEB: Electronic Arts
ENTWICKLER: Coldwood Interactive
GENRE: Puzzle Platformer
SPIELER 1
HDD mind. 4GB
AUFLÖSUNG 720p, 1080p
NETZWERKFUNKTIONEN Nein
NETZWERK-SPIELER

-

 

Ein Knäul und die Erinnerungen

Direkt beim Starten von Unravel merkt man schon was einen die nächsten paar Stunden erwartet. Die Aufmachung des Hauptmenüs, die Hintergrundmusik, alles lässt sofort erahnen, dass kein typisches EA-Spiel vor einem liegt, sondern es tiefgründiger und emotionaler wird. Sobald man die eigentliche Story dann beginnt startet man im Haus einer älteren Dame. Sie sagt kein einziges Wort, es wird aber trotzdem deutlich worum es geht. Sie wohnt alleine in dem Haus und man spielt ihre Erinnerungen an frühere Geschehnisse nach. Hauptsächlich die, die sie mit ihren Enkeln erlebt hat.

Unravel setzt dabei ziemlich auf den emotionalen Aspekt. Ihr merkt, ich erwähn das öfter. Das ist auch Absicht, weil das wirklich der Kern des Spiels ist. Man fühlt sofort mit der älteren Dame mit und möchte an ihren Erinnerungen teilhaben. Nicht falsch verstehen, es wird nicht auf die Tränendrüse gedrückt, aber irgendwie nimmt es einen schon mit. Das Haus ist dann quasi das Hauptmenü. Hier kann man rumlaufen und das jeweilige Level auswählen, das man beginnen möchte. Jedes Level verbirgt sich hinter einem der Fotos, die die ältere Dame in ihrem Haus aufgestellt hat.

 

 

Ein Knäul spielt Sackboy

Der Vergleich muss einfach gezogen werden. Bereits in der ersten Sekunde, in der man die Spielfigur Yarny lenken kann, wird man direkt an Sackboy erinnert. Eine Figur aus Garn, die in einem Plattformer von links nach rechts laufen und dabei Hindernisse überwinden muss. Auf den ersten Blick ist der einzige Unterschied nur, dass Yarny knallrot ist und aus einem weicheren Stoff besteht als der Genrekollege. Ansonsten sind sich beide vom Spielprinzip her allerdings äußerst ähnlich. Gut, Yarny kann keine Aufkleber herbeizaubern und seine Mimik nicht verändern, aber Garnfigur ist nun mal Garnfigur.

Als Innovation gegenüber LittleBigPlanet ist bei Unravel dabei, dass vergessen wurde einen Knoten zu machen nachdem Yarny fertig gestrickt wurde. Der Faden am Ende seines Körpers ist lose. Je weiter man mit ihm im Level voran schreitet, desto mehr Faden verbraucht er und wird dementsprechend dünner. Irgendwann ist der Faden zu Ende und man kann nicht weitergehen. Da muss man dann zurückgehen und schauen an welcher Stelle man eventuell einen zu großen Umweg gemacht hat und man dann doch Faden einsparen kann. An Checkpoints bekommt man wieder eine volle Ladung Garn und kann wieder gestärkt weitergehen.

 

 

Ein Knäul geht auf ein Abenteuer

Da es doch ein wenig langweilig wäre, wenn man einfach nur von links nach rechts laufen könnte, hat Coldwood Interactive dem Spieler die ein oder andere Schwierigkeit in den Weg gelegt. Mal mehr und mal weniger komplizierte Rätsel warten darauf von euch gelöst zu werden, damit ihr im Level vorankommt. Es gibt an vielen Stellen rote Garnpunkte, an denen Yarny seinen Faden festbinden kann. So kann er sich beispielsweise an Abhängen herunterlassen, diese Fixpunkte als Möglichkeit zum Schwingen nehmen oder zwei Punkte verbinden, um eine Brücke bzw. ein Trampolin zu bauen. Oft sind Hindernisse zu hoch, als dass Yarny sie einfach nur durch Springen überwinden könnte. Da müsst ihr dann rausbekommen, wie ihr die Garnpunkte oder die Umgebung nutzen könnt, um sie dennoch zu überwinden.

Bei den Gegenständen gibt es auch mehrere Möglichkeiten. Einfache Erhöhungen wie zum Beispiel Äpfel, die beliebig hin und her geschoben werden können und auf die Yarny dann klettern kann. Dazu kommen Gegenstände, die ihr erst lösen oder abbrechen müsst, um sie verwenden zu können. Kleine schwimmende Bojen oder Äste beispielsweise. Und die sind wirklich wichtig, da Yarny von alleine nicht schwimmen kann und auf solche Hilfsmittel angewiesen ist, um Wasserstellen zu überwinden. Hier muss ich einmal lobend erwähnen, dass sich alle Gegenstände äußerst realistisch verhalten. Wenn sie rollen, schwimmen, schwingen oder sonst was für Bewegungen machen wirkt es äußerst authentisch. Man bekommt wirklich das Gefühl, dass sich die Entwickler von Coldwood Interactive ziemlich lange in ihren Garten gesetzt haben um zu verinnerlichen, wie sich dort alles bewegt.

 

 

Ein Knäul für deine Gedanken

Zumindest zu Beginn des Spiels muss man den Kopf ein wenig anstrengen und sich wirklich Gedanken machen, wie es funktioniert die Rätsel zu lösen. Klar, es gibt an manchen Stellen Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen wiederholen sich die Hindernisse im Aufbau dann doch. Wirklich Probleme durch die Levels zu kommen hat man nicht mehr, wenn man sich erst mal an das Spiel gewöhnt hat. Es wird ziemlich oft ein Trampolin gebaut, von Garnpunkt zu Garnpunkt geschwungen oder ein wenig mit dem Wasserstand gespielt, bis man über einen Abgrund gelangen kann. Wenn man sich wirklich nur auf die Rätsel fokussiert und den Geschichtsaspekt des Spiels außen vor lässt wirkt es irgendwann repetitiv und eintönig. Da hat das Spiel fast schon Glück, dass es trotzdem umwerfend aussieht und man dann doch möchte, dass Yarny vorankommt.

Zwischendurch gibt es aber auch Lichtblicke, die den schnöden Rätselalltag erhellen. Der Vergleich ist zwar ziemlich weit hergeholt, aber ich nenne sie jetzt einfach mal Zwischen- und Endbossrätsel. Oh ja, ich weiß, klingt cool. Ist zwar an sich nicht ganz korrekt, spiegelt aber das wider, was ich meine. So gibt es beispielsweise einen Abschnitt, bei dem man in einem Schuppen ein kleines Motorboot ins Wasser lassen und den Motor starten muss. Das sieht dann schon ziemlich cool aus und macht Spaß. Auch die Bereiche, in denen man über Krebse springen oder sie an einen bestimmten Punkt locken muss, machen Spaß. Unravel weiß da durchaus zu überraschen.

 

 

Ein wunderhübsches Knäul

Unravel sieht von vorne bis hinten wirklich umwerfend aus. Die ältere Dame wirkt so realistisch, da können sich viele AAA-Titel ein großes Stück von abschneiden. Da hat das Team von Coldwood Interactive ganze Arbeit geleistet. Ich weiß echt nicht, ob ich jemals ein „Indie“-Spiel gesehen habe, das grafisch solch eine Wucht ist. Die Mimik der Dame, ihre Bewegungen, einfach alles wirkt perfekt. Ihr ganzes Haus ist grafisch so gut gelungen, da macht man direkt beim Start des Spiels große Augen und erwartet dann auch einiges vom Rest. Yarny selbst ist ebenfalls eine äußerst liebevoll gestaltete Figur. Ganz ehrlich, ich möchte jetzt selbst so eine haben.

Dieser grafische und stilistische rote Faden (höhö, gute Anspielung was?) zieht sich auch durch das Leveldesign. Jedes Detail wirkt perfekt umgesetzt und ist eine grafische Meisterleistung. Sowohl die interaktiven Gegenstände im Vordergrund, als auch die reine Dekoration im Hintergrund sieht gut aus. Dabei ist es egal, ob es Wälder sind oder das Meer, alles lobenswert. Trotzdem haben die Entwickler es geschafft, dass man sich nicht vom Hintergrund ablenken lässt und sich voll und ganz auf das Spielgeschehen konzentrieren kann. Ich habe mich aber dennoch oft dabei erwischt wie mein Blick abgeschweift ist und ich mir die Bewegungen des Wassers oder das Rascheln der Bäume angeschaut habe. Das alles zusammen mit der Geschichte des Spiels macht es wirklich besonders.

 

Ein Platin-Knäul für die Vitrine

Einen Großteil der Trophäen erhält man durch das normale Durchspielen. Sobald man ein Level abgeschlossen hat bekommt man eine. Dazu gibt es dann noch welche für bestimmte Aktionen, die man in manchen Level ausführen muss. Diese Trophäen sind nicht wirklich schwierig und gut zu bekommen. Ein wenig kniffliger wird es bei der Trophäe, für die man alle Sammelgegenstände finden muss. Wenn man hier ohne einen Guide versucht alle zu bekommen ist das stellenweise kein Zuckerschlecken. Die schwierigste Trophäe ist aber die, bei der man jedes Level abschließen muss ohne zu sterben. Man kann zwar jedes Level beliebig oft wiederholen und auch immer wieder zu den Checkpoints zurückspringen, sollte man mal das zeitliche segnen, aber einfach ist es trotzdem nicht. Gerade Yarnys Unfähigkeit zu schwimmen sorgt oft dafür, dass man untergeht und es neu versuchen darf.

 

Persönliches Fazit

Ich muss eingestehen, ich bin wirklich positiv überrascht von Unravel. Als ich zuerst davon gehört und es dann zugeteilt bekommen habe hatte ich das ein oder andere Vorurteil. Mit Spielen wie Flower oder Journey kann ich beispielsweise gar nichts anfangen. Auch Life is Strange gehört nicht gerade zu meinen Top 10. Und dann ein Spiel, das als äußerst emotional und tiefgehend beschrieben wird? Dazu auf den ersten Blick wirkt wie ein LittleBigPlanet Klon? Na super. Aber nichts da, Unravel bekommt von mir das Prädikat „wertvoll“. Irgendwie hat es das Spiel einfach geschafft mich in seinen Bann zu ziehen.

Es hat zwar so seine Macken, aber die ziehen die Gesamtwertung nur leicht runter. Die sich irgendwann wiederholenden und eintönigen Rätsel sind das einzige, was ich als richtigen Kritikpunkt anmerken kann. Das Rad erfindet es auch nicht neu, da wirklich viele Parallelen zu Sackboy gezogen werden können. Ansonsten ist es aber wirklich empfehlenswert. Die Idee, dass Yarny nicht ewig laufen kann und irgendwann neuen Garn braucht finde ich echt gut. Ich musste beim Spielen oft wieder zurücklaufen und den ein oder anderen Baum dann doch geradliniger überwinden, um überhaupt bis zum nächsten Checkpoint kommen zu können. Ich bin wirklich froh es gespielt zu haben und empfehle es jedem einzelnen von euch weiter.

8.5/10

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