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Hatoful Boyfriend im Test für die PS4 und PS Vita - So nah kam man Vögel selten


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Die verrückten Japaner. Das hört man immer wieder und wenn man an Spiele wie Bayonetta, Akiba’s Trip und Catherine denkt, scheint da was dran zu sein. Doch verglichen mit dem Spiel von PigeoNation Inc., welches im Westen von Mediatonic überarbeitet und von Devolver Digital vertrieben wurde, sind diese Drei vom Grad der Verrücktheit mit einem Eis im Winter zu vergleichen - ungewöhnlich, aber nicht der Rede wert. Was Hatoful Boyfriend so besonders macht und ob die Verrücktheit eventuell nur am Anfang zündet und später in die Belanglosigkeit abdriftet, erfahrt ihr in unserem Test.
 

SYSTEM: PLAYSTATION 4 / PLAYSTATION VITA
VERTRIEB: Devolver Digital
ENTWICKLER: PigeoNation Inc. / Mediatonic
GENRE: Otome Game / Visual Novel
SPIELER: 1
HDD / Speicherkarte: mind. 2,3 GB
AUFLÖSUNG: -
NETZWERKFUNKTIONEN: Nein
NETZWERK-SPIELER: -

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Heartful Boyfriend

Hatoful Boyfriend wirkt beim Laden des Spiels noch relativ normal. Eine Textbox erscheint und fragt mich nach ein paar Einstellungen. Man kann seinen Namen aussuchen und.. Moment mal, menschliche Portraits anzeigen? Ja logo, was wollt ihr denn von mir? Dann geht es auch schon los. Ich sehe also das Bild von einer Schule vor mir, düdelige und fröhliche Musik klingt aus den Lautsprechern, oben links steht das Datum innerhalb des Spiels in japanischer Reihenfolge und oben rechts wird mir signalisiert, dass ich mit einem Tastendruck den Text vorspulen kann. Ein Visual Novel, wie er im Buche steht.

Kurz darauf werde ich auch von der Seite angequatscht, Ryouta begrüßt mich. Ryouta, eine Felsentaube. Oder vielmehr ein Täuber, denn er ist ein junger strammer Bursche. Moment mal, eine Taube? Ja tatsächlich. Kurz wird mir ein Portrait von einem Menschen gezeigt, doch eigentlich ist Ryouta eine Taube. Mein Gott, die ganze Schule wird lediglich von männlichen Vögeln bevölkert und ich bin als einziger weiblicher Mensch auserwählt worden, diese Schule zu besuchen.

Während meiner Schulzeit treffe ich also allerlei Entscheidungen die sich darum drehen, welchem Club ich mich anschließe, mit wem ich mich unterhalte und welche Wahlpflichtkurse ich belege. Relativ schnell enden dann auch die drei Trimester und je nachdem, mit welchem Vogel ich mich am besten verstehe und welche Charaktereigenschaften am meisten gefördert wurden, flimmert ein anderes Ende über den Bildschirm.

 

Hateful Boyfriend

Wer jetzt denkt, dass das alles ziemlich dumm und banal klingt, dem sei gesagt, dass jeder Vogel über eine komplett andere Charaktereigenschaft verfügt. Das bringt die komischsten Situationen hervor und am Ende entwickeln sich daraus die abstrusesten Geschichten. Wie wäre es mit der Suche nach dem einzig wahren Pudding, der die Erdbevölkerung in ein neues Zeitalter führen soll? Oder gar finstere Gestalten, die in einem rollenspieltypisch rundenbasierten Kampfsystem zurückgedrängt werden müssen?

Nicht jedes Ende ist urkomisch, doch jeder Pfad, den man einschlägt, zeigt neue Aspekte auf. Fragen, die auf anderen Pfaden aufgeworfen wurden werden teilweise erklärt oder es entstehen nur noch mehr Fragen wodurch der Spieler mit der Zeit mehr und mehr Interesse für die Handlung und die in ihr agierenden Personen, Pardon, Vögel entwickelt.

Die einzelnen Handlungsstränge sind relativ kurz, doch erst wenn man alle erreicht hat, entwickelt das Spiel sein volles Potenzial. Plötzlich kommt es mit einer unerwartet ernsten Geschichte daher, welche um ein vielfaches länger ist, als der gesamte Rest. Dabei werden viele Geheimnisse gelüftet und nebensächliche Dinge, welche in der sonstigen Handlung nur kurz angerissen wurden, bekommen plötzlich einen Sinn. Jemand der den Rest des Spiels aufmerksam verfolgt, wird hier plötzlich mit einem Hammerschlag ins Gesicht nach dem anderen konfrontiert.

 

Hurtful Boyfriend

Der Humor des Spiels zielt nicht einzig und allein auf den Gag ab, dass man sich ausschließlich mit diversen Vogelarten unterhält. Leider bleiben große Wortspiele meist sogar aus. Doch das Spiel ist gespickt mit popkulturellen Referenzen bei denen es immer wieder Spaß macht, sie zu entdecken. Dabei wird sich an Zitaten aus der gesamten Film- und Videospielkultur bedient.

Gleichzeitig werden die Visual Novel ein wenig auf die Schippe genommen. Die Entscheidungen die man in Hatoful Boyfriend trifft sind wie in den anderen Genrevertretern sehr trivial und dienen einzig und allein dazu, sich einem Vögelchen anzunähern und möglicherweise ein neues Ende freizuschalten. Ohne ausprobieren kommt man manchmal aber nicht weit und man muss aufmerksam die Gesprächsentwicklungen zu verfolgen, um die Vorlieben der verschiedenen gefiederten Freunde kennenzulernen.

Denn nicht nur das Beitreten in einen der Clubs oder das Plaudern während eines Ausfluges bringen den Spieler dem gewünschten Ziel näher, manche Ereignisse erfordern einen gewissen Grad an Wissen, Vitalität oder Charisma. Diese steigern sich, indem man sich für die richtigen Fächer entscheidet. Dies klingt allerdings komplizierter als es ist und kann als kleine Referenz an Rollenspiele angesehen werden, wie so viele andere auch.

 

Saint PigeoNation – Immer noch eine Schule

Videospiele werden gespielt, um einmal den Kopf abzuschalten. Fernab von Schule, Lehre oder Arbeit, fernab von jeglichem Wissenserwerb. Und was macht ein Spiel wie Hatoful Boyfriend, welches vorgibt absoluter Trash in einem irrwitzigen Dating Simulator rund um ein Gelände voller Flattermänner zu sein? Es füttert den Spieler heimlich mit Allgemeinbildung.

Nicht nur Vogelkunde ist ein Hauptfach in Hatoful Boyfriends Eliteuniversität. Auch Chemie, Musikgeschichte und Mathematik werden gelehrt. Diese kleinen Wissenshäppchen werden so plötzlich und unauffällig gestreut, dass der übertölpelte Spieler kurz innehält und denkt: „Hab ich gerade was gelernt?“ Well played, liebe Entwickler, well played..

werden.

 

Es ist nicht alles Reis was glänzt

Bei aller Liebe zum Detail, Hatoful Boyfriend lässt an einigen Ecken Dinge vermissen, die man an Visual Novels sehr schätzt. Es gibt zwar eine Vorspulfunktion, doch diese stoppt beim Wechsel in andere Abschnitte und so muss man stets ein Auge auf sie haben. Das muss man allerdings auch so, denn bei Entscheidungen hält sie ebenfalls an. Außerdem unterscheidet sie leider nicht zwischen bekanntem und neuen Text.

Ebenfalls gibt es keine Möglichkeit, die Textbox auszublenden. Besonders schöne Bilder können somit nicht ohne den hässlichen blauen Kasten betrachtet werden. Es gibt zwar eine Galerie, allerdings landen dort nur wenige Motive und die meisten sind nur da, um dem Spieler zu signalisieren welches Ende erreicht wurde. Auch ansonsten ist die Grafik sehr gewöhnungsbedürftig, da man die meiste Zeit über auf reale Vogelmotive auf einem einfach gezeichneten Hintergrund starrt.

Lobenswert ist hingegen die abwechslungsreiche Musik, die von simpler Fahrstuhlmusik, über flotte Slapstick-Comedy-Musik bis hin zu klassischen Stücken reicht, die das Geschehen, wie für dieses Genre üblich, nur in Textform präsentiert. Zoophile dürften übrigens enttäuscht sein, wer sich bereits Bilder vom Sexualakt zwischen Mensch und Taube ausgemalt hat, wird hier entgegen aller Erwartungen nicht bedient werden.

 

Silber ist das neue Platin

Hatoful Boyfriend verfügt leider über keine Platintrophäe. Hatoful Boyfriend verfügt ebenfalls über keine Goldtrophäe. Es gibt lediglich für jedes der fünfzehn Standardenden einen Bronzepokal und für das wahre Ende zwei Silberpokale. Es empfiehlt sich dabei alle Enden vor dem wahren Ende zu erreichen, denn auch wenn man auf den Pfad des wahren Endes gelangen kann, wenn man nur ein Ende pro Charakter erreicht, so benötigt man für die letzte Silbertrophäe auch die erweiterten Enden und müsste somit das wahre Ende noch einmal erreichen.

Doch dafür sind die Trophäen mit einer Komplettlösung und der Überspringen-Taste sehr einfach und sehr schnell zu erreichen. Man verpasst so zwar das Spiel und seinen eigentlichen Inhalt, aber Trophäenjäger die Visual Novels oder einer abstrusen Handlung nichts abgewinnen können, bekommen somöglicherweise doch einen Anreiz geboten das Spiel zu erwerben – verpassbar ist nämlich auch nichts. Und dank Cross-Buy kann man sich auch aussuchen, ob man die Trophäen auf der Vita oder auf der PS4 erspielen möchte - oder man nutzt beides dank Cross-Save.

 

Persönliches Fazit

Hatoful Boyfriend, was mache ich nur mit dir. Am Anfang warst du unglaublich trashig und hast mir hier und da ein Lachen oder zumindest ein Schmunzeln entlockt. Doch ziemlich schnell war die Luft raus. Der Gag mit dem Taubendating war einfach zu schnell ausgelutscht. Ich war mir sicher, dieses Spiel würde durch seine Abstrusität zwar am Anfang punkten können, konnte dies doch nur schwer aufrecht erhalten und somit nur einen schwachen Eindruck hinterlassen.

Doch dann kommt plötzlich der Faktor des Unerwarteten daher. Ich begann Verständnis für die Vöglein zu entwickeln, für ihre Motive, für ihre Macken. Und auf einmal wurde mir klar, dass hinter der Fassade viel mehr steckt, dass man absichtlich trashig begonnen hatte, um dann mit der Baseballkeule weit auszuholen und eine durchdachte, fast an Planet der Affen anmutenden Geschichte in mein Gesicht zu schlagen. Und da war mir klar: Hatoful Boyfriend. Entweder hasst man es, oder man liebt es.

8.0/10
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