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Test: Immortal Legacy: The Jade Cipher (PSVR)

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Immortal Legacy: The Jade Cipher im Test für die PSVR – Schatzjäger der virtuellen Realität

Als Immortal Legacy: The Jade Cipher für die Playstation VR veröffentlicht wurde, waren die Spieler sich vor allem in einem einig: Das Spiel ist eine großartige Erfahrung, die durch die grauenhafte Steuerung absolut zunichte gemacht wurde. Nun wurde ein Patch für das Spiel veröffentlicht, der viele dieser Kritikpunkte in Wohlgefallen auflösen soll. Für uns ist das ein Grund, einmal das gesamte Spiel zu durchleuchten. Was dabei herausgekommen ist, erfahrt ihr unserem Test.

 

Der Drache von Yingzhou

Startet man das Spiel, wird man bereits mehr oder weniger direkt in die Handlung geworfen. Nach einem kurzen Tutorial sitzt man mit einer hübschen Dame in einem Flugzeug auf dem Weg nach Yingzhou, um den Tod seiner Mutter aufzuklären. Oder besser gesagt, den Tod der Mutter von Tyre, dem Protagonisten von Immortal Legacy, in dessen Haut der Spieler schlüpfen darf.

 

Während man noch verlegen versucht, der Begleiterin nicht auf den Hintern zu schauen (was sich als schwierig erweist, da die Dame immer wieder durch das Flugzeug wandert und einem den Rücken zuwendet), wird man plötzlich durch ein Rütteln des Frachtraums aufgeschreckt, welcher kurzerhand auch in zwei Hälften gerissen wird und man stürzt in die Tiefe. Glücklicherweise überlebt Tyre den Sturz allerdings, sonst wäre die Spielzeit bedeutend kürzer.

 

Was folgt, ist die Jagd nach einem legendären Artefakt, Konfrontationen mit feindlichen Söldnertruppen, eine Menge Rätsel und dunkle Katakomben und Tempel, die geradezu zum Plündern einladen. Und dann ist da noch diese verrückte Streamerin, die auf der Suche nach Drachen in die Berge gekommen ist und all die Aufzeichnungen darüber, dass hier mehr lauern soll, als nur Menschen mit geladenen Waffen. Langweilig wird die Geschichte jedenfalls nicht.

 

Nathans Erbe

Feindliche Truppen, Rätsel, Schätze und möglicherweise übernatürliche Gegebenheiten – das klingt nicht nur nach Uncharted, das spielt sich auch ziemlich genauso. Immer wieder trifft man auf kleinere Wellen von Gegnern, die unterschiedlich stark gepanzert und bewaffnet sind, derer man sich erst entledigen muss, möchte man im Anschluss daran ihre Zelte nach Sammelobjekten untersuchen. Auch darf hier und da mal geklettert werden, nur dass man VR-typisch selbst nach den Felsvorsprüngen greifen darf.

 

Ebenso trifft man immer wieder auf Abzweigungen, die dem Spieler das Gefühl von Freiheit geben, am Ende jedoch stets wieder zusammengeführt werden, damit man immer einem geraden vorgegebenen Pfad durch die spektakulär inszenierte Geschichte folgt. Auch die Charaktere sind allesamt interessant geschrieben, haben jedoch insgesamt zu wenig Bildschirmzeit, um längerfristig zu unterhalten und verschwinden so plötzlich wieder aus der Geschichte, wie sie hineinstolpern.

 

Was auch an Uncharted erinnert, ist, wie sich der Ton nach der Hälfte der Spielzeit ändert. Aus dem üblichen, hin und wieder granatenwerfenden Kanonenfutter werden unaufhaltsam vorwärtsmarschierende Kugelschwärme und die Atmosphäre wechselt von testosterongeladener, witziger Action im Freien zu beklemmendem Grusel in alten Ruinen. Immortal Legacy: The Jade Cipher ist zwar fern von einem waschechten Horrortrip, kann aber hier und da schonmal für Pipi im Höschen sorgen, wenn unter der Erde mal wieder der Strom ausfällt und macht mit seinen verstörenden Bildern im letzten Drittel auch schonmal der eingeschlafenen Serie Silent Hill Konkurrenz.

 

Grau, Braun und Graubraun

Immortal Legacy: The Jade Cipher sieht fantastisch aus, was man allerdings nicht auf Anhieb sieht. Schaut man sich die Charaktermodelle, die Ausrüstung in den Händen des Protagonisten und die interaktiven Objekte an, so muss man staunen, was die PlayStation VR so alles kann. Doch das Potenzial spiegelt sich nur selten in der Umgebung wider.


Versteht mich nicht falsch, auch die Umgebung sieht sehr gut aus, jedoch sind die Gebirge von Yingzhou nicht besonders abwechslungsreich, was die Gestaltung und die farbliche Untermalung angeht. Besonders wenn man sich im Inneren der Berge aufhält, wird einem die Eintönigkeit bewusst, was allerdings auch irgendwie zur Beklemmung beiträgt. Besonders die Lichtstimmung ist hier 1A, auch wenn manche sich darüber beschweren könnten, dass sie im Dunkeln nichts sehen.

 

Soundtechnisch brilliert das Spiel allerdings. Anfangs rumst und kracht es überall, aufgesammelte Audiologs geben ihren Inhalt in fabelhaftem 3D-Sound so an die Ohren des Spielers weiter, wie er es gerade im Spiel hält und in den Tiefen der Berge schmatzt und knarrt es an jeder Ecke.

 

VR-Upgrade

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wurden viele Kritikpunkte der Vergangenheit durch einen Patch behoben. Da das Spiel im asiatischen Raum schon etwas älter ist und komplett mit zwei Move-Controllern gespielt wird, war die Bewegungssteuerung ursprünglich recht „experimentell“ und hat vielen Spielern nicht gefallen, außerdem konnten die Vignetten bei der Drehbewegung nicht deaktiviert werden. Nach dem Patch gibt es nun alternative Steuerungsoptionen und mehr Optionen zur Einstellung der Komfortfunktionen. Außerdem wird nun auch der 3D-Rudder unterstützt.

 

Am Ende blieben für mich lediglich zwei Mängel übrig: Zum einen enden die Arme der Spielfigur nicht dort, wo meine Schultern liegen, viel mehr wirkt es, als würden die Arme aus meinem Nacken herauswachsen. Das ist jedoch nur anfangs befremdlich und fällt später nur noch auf, wenn man nach unten schaut. Dann wäre da noch die Haltung der Waffen. Im Zielmodus muss man die Hand recht verkrampft halten, damit die Waffen dahin zeigen, wohin die Hand deutet.

 

Glücklicherweise kann man auch in den entspannten Modus wechseln, dann kann man seine Move-Controller viel natürlicher halten. Doch leider sehen dann die Hände in der virtuellen Realität nicht mehr ganz so natürlich aus. Ist die Waffenhand leer, so ist diese deutlich nach unten überstreckt, was äußerst schmerzhaft ausschaut. So langsam wird mir klar, weshalb so viele VR-Spiele auf Charaktermodelle verzichten und dem Protagonisten stattdessen nur zwei schwebende Hände reichen.

 

Du hast die Geheimnisse der Yingzhou-Insel enthüllt

Immortal Legacy: The Jade Cipher verfügt über eine unserer heißbegehrten Platin-Trophäen. Und um diese zu bekommen, muss man zunächst… (Alle anderen Trophäen sammeln). Und als Trophäenjäger sollte man sich an diese ungewöhnliche Schreibweise der Trophäenbedingungen gewöhnen, denn zu Release bestanden diese nur aus kryptischen Sätzen, die erst jetzt durch einen Patch um in Klammern stehende Anweisungen erweitert worden sind.

 

Diese offenbaren, dass es sich hier um eine für das Genre recht typische Trophäenliste handelt. Viele Trophäen kommen ganz automatisch im Spielverlauf, für andere Trophäen muss man alle Waffen im Spiel mindestens einmal finden und benutzen, für eine Gold-Trophäe muss man alle Tagebücher finden und für eine weitere alle Artefakte aufspüren. Die meisten sind recht gut zu finden, wenn man aufmerksam alle Abzweigungen nachverfolgt, gemein wird es erst im Labyrinth, wo man leicht den Überblick verlieren kann. Dafür gibt es eine zusätzliche Trophäe dafür, im Labyrinth alle Wege abzuklappern.

 

Überraschenderweise sind jedoch nicht nur optionale Trophäen eine Geduldsprobe. Dem Bossdesign des Spiels ist es geschuldet, dass die Bosstrophäen ebenso nervenaufreibend sein können, wie manch andere Fleißaufgabe. Natürlich soll hier nicht zu viel verraten werden, allerdings sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Spieler sich nach dem Sieg über den Endboss (der übrigens für eine Gold-Trophäe auf „Normal“ besiegt werden muss) Quick Time Events zurückwünschen werden.

 

Persönliches Fazit

Immortal Legacy: The Jade Cipher hat anfangs durch eine beeindruckende Grafik auf sich aufmerksam gemacht, allerdings kamen auch ebenso schnell Zweifel auf, was die Qualität des Inhalts anbelangt. Zu Release wurde dann schnell deutlich, dass das Spiel tatsächlich dem Spieler ein äußerst hochwertiges VR-Erlebnis beschert, wenn auch erst noch an ein paar Stellschrauben gedreht werden musste, um wirklich jeden Kritiker zufrieden zu stellen. Die Spielzeit ist für ein so günstiges VR-Spiel überraschend lang und auch das Ende deutet an, dass dies noch längst nicht alles sei, was wir von Immortal Legacy gesehen haben. Und darauf kann jeder PSVR-Besitzer auch nur hoffen, denn hier liegt das Potenzial für ein neues Zugpferd von Sonys Virtual Reality Headset.

 

9.0/10

 

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